Karriere-Ratgeber

Praktikum im Lebenslauf: so beschreibst du es richtig

Dirk Walter

Gründer karriva, CRM und Direct Marketing

21. August 2026

Ein Praktikum gehört in die Rubrik Berufserfahrung, chronologisch rückwärts sortiert, mit 2–4 konkreten Stichpunkten. Was dabei zählt: was du wirklich getan hast, nicht der Jobtitel des Unternehmens oder eine Aufgabenliste, die auf zehn andere Kandidaten genauso passen würde. Wer das richtig umsetzt, zeigt dem Recruiter, dass er seine eigene Erfahrung kennt und einordnen kann.

Berufseinsteiger haben mehr zu erzählen als sie denken4:05

Video zum Artikel

Berufseinsteiger haben mehr zu erzählen als sie denken

Wohin im Lebenslauf gehört ein Praktikum?

In denselben Abschnitt wie Vollzeitstellen: Berufserfahrung. Keine separate Rubrik “Praktika”, keine eigene Sektion zwischen Ausbildung und Studium. Ausnahme: wer sehr viele Stationen hat und eine klare Trennung zwischen Festanstellungen und Praktika die Lesbarkeit wirklich verbessert.

Das Format das in DACH-Bewerbungen funktioniert:

  • Zeitraum: Monat/Jahr bis Monat/Jahr
  • Unternehmensname und Ort
  • Bezeichnung: “Praktikum Marketing”, “Praktikum Controlling” oder die offizielle Bezeichnung des Unternehmens, wenn sie aussagekräftig ist
  • 2–4 Aufgaben als Stichpunkte

Die Sortierung ist antichronologisch: das neueste Praktikum steht oben, gemischt mit Werkstudentenjobs und anderen Stationen im selben Abschnitt.

Ab wann fallen Praktika aus dem Lebenslauf? Nach etwa drei Jahren Berufspraxis beginnen Praktika an Gewicht zu verlieren. Recruiter schauen dann primär auf das, was in späteren Stationen geleistet wurde. Nach fünf Jahren im Beruf lohnt eine kritische Prüfung: Praktika ohne direkten Bezug zur Zielstelle können gestrichen werden. Wer viele Berufsjahre vorweist und trotzdem noch Kurzpraktika aus dem Erststudium auflistet, verschenkt Platz auf einem Lebenslauf, der besser genutzt werden könnte.

Welche Praktika kommen rein, welche nicht?

Die Hauptfrage ist Relevanz: Passt die Tätigkeit inhaltlich zu dem, worauf du dich bewirbst? Wenn ja, kommt das Praktikum rein. Wenn nicht, hängt es daran, ob es eine zeitliche Lücke schließt oder das einzige Praktikum ist.

Dauer

Vier Wochen aufwärts sind in der Regel nennenswert, wenn die Tätigkeit relevant war. Kürzere Orientierungspraktika aus der Schulzeit oder Schnupperphasen ohne echte Aufgaben gehören nicht in den Lebenslauf einer studierenden oder berufstätigen Person.

Schulpraktika

Sobald du Praktika aus dem Studium hast, können Schulpraktika gestrichen werden. Sie haben selten Aussagekraft für eine Bewerberstelle und verdrängen relevantere Inhalte.

Bei mehreren Praktika

Nicht jedes muss aufgeführt sein. Vollständigkeit ist kein Ziel. Zwei bis drei gut beschriebene Einträge mit konkreten Aufgaben sind stärker als fünf aufgelistete Unternehmensnamen ohne Substanz.

Wie beschreibst du deine Aufgaben im Praktikum?

Die häufigsten Formulierungen in Praktikums-Einträgen:

  • “Unterstützung des Teams bei verschiedenen Aufgaben”
  • “Mitarbeit in Projekten”
  • “Einblicke in den Bereich XY erhalten”

Das sagt einem Recruiter nichts. Es beschreibt eine Haltung, keine Tätigkeit. Was stattdessen funktioniert: konkrete Beschreibungen der Tätigkeit selbst.

Vorher / Nachher

Schwach: Unterstützung des Marketing-Teams bei der Erstellung von Social-Media-Inhalten

Stark: Erstellung und Terminierung von Social-Media-Beiträgen für Instagram und LinkedIn (2–3 pro Woche, mit Redaktionsplan)

Der Unterschied: Das zweite Bullet zeigt was konkret gemacht wurde, in welchem Umfang, und dass es eigenverantwortlich lief.

Konkret statt allgemein

Nicht “diverse Aufgaben” oder “verschiedene Bereiche”, sondern die Tätigkeit die am deutlichsten zeigt was du getan hast. Im Deutschen funktionieren Nominalisierungen gut: “Erstellung von...”, “Analyse der...”, “Koordination von...” sowie kurze beschreibende Phrasen ohne Füllwörter.

Umfang oder Ergebnis nennen

“Zehn Kundentermine koordiniert”, “Auswertung für fünf Märkte erstellt”. Wenn keine Zahl verfügbar ist, reicht die Beschreibung des Ergebnisses: “Präsentation für Führungskreis vorbereitet”.

Deine Leistung, nicht die des Teams

Jeder Bullet beschreibt was du persönlich gemacht hast, nicht was das Team insgesamt getan hat. “Ich” kommt im Lebenslauf nicht vor, aber der Fokus liegt auf dem eigenen Beitrag.

Was tun bei kurzen oder wenig relevanten Praktika?

Ein kurzes Praktikum, das relevante Einblicke gegeben hat, gehört mit dem Zeitraum auf den Lebenslauf. Recruiter wissen, dass Studium und längere Praxisphasen nicht immer kompatibel sind.

Wenn das Praktikum wenig Substanz hatte, schreib was wirklich passiert ist, auch wenn es wenig war. “Einblick in Redaktionsprozesse, Mitarbeit bei der Vorbereitung von zwei Ausgaben” ist ehrlicher und konkreter als “Praktikum Redaktion”. Wer gar nichts Konkretes benennen kann und das Praktikum keinen Bezug zur Zielstelle hat, lässt es weg.

Was du vermeiden solltest: mehrere kurze Praktika ohne Bezug zueinander als Block listen. Das wirkt unentschlossen. Besser: die relevanten einzeln beschreiben, die anderen weglassen.

Mehrere Praktika: Auswahl und Reihenfolge

Die Sortierung folgt demselben Prinzip wie für alle anderen Stationen: antichronologisch, neuestes zuerst.

Bei der Auswahl gilt: selektiv statt vollständig. Ein Praktikum aus dem zweiten Semester verliert an Relevanz, wenn du inzwischen bessere aus späteren Semestern hast. Das neuere und relevantere bleibt, das frühere fliegt.

Mehrere Praktika nicht in einem Eintrag bündeln: “Verschiedene Praktika im Bereich Marketing, 2023–2025”. Das signalisiert, dass du selbst nicht weißt was relevant ist. Jedes Praktikum bekommt seinen eigenen Eintrag, oder es kommt nicht drauf.

Mehr dazu, wie du das Gesamtprofil deiner Stationen positionierst, findest du in den Artikeln Berufseinsteiger haben mehr zu erzählen als sie denken und Anschreiben für Werkstudentenstellen: was wirklich zählt.

Mehr zum Thema

Lebenslauf-Optimierung, die zeigt was wirklich in deinen Stationen steckt.

karriva analysiert deinen Lebenslauf und schlägt für jede Station konkrete Formulierungen vor.

Kostenlos ausprobieren
Dirk Walter

Dirk Walter

Gründer von karriva

Dirk Walter hat karriva gebaut, nachdem er selbst erlebt hat, wie schwer es ist, sich im Bewerbungsprozess klar zu positionieren. Er kommt aus dem CRM und Direct Marketing und überträgt diese Prinzipien auf die Jobsuche.

LinkedIn

FAQ

Häufige Fragen zum Praktikum im Lebenslauf

Kommt ein Praktikum unter Berufserfahrung im Lebenslauf?

Ja. Ein Praktikum gehört in dieselbe Rubrik wie Vollzeitstellen: Berufserfahrung. Eine separate Sektion ist nur sinnvoll, wenn sehr viele Stationen vorhanden sind und eine klare Trennung die Lesbarkeit wirklich verbessert.

Wie viele Praktika sollte ich im Lebenslauf angeben?

So viele wie relevant sind, nicht mehr. Zwei bis drei gut beschriebene Einträge mit konkreten Aufgaben sind stärker als fünf aufgelistete Unternehmensnamen ohne Substanz. Vollständigkeit ist kein Ziel.

Ab wann sind Praktika im Lebenslauf nicht mehr relevant?

Nach etwa drei Jahren Berufspraxis verlieren Praktika an Gewicht. Nach fünf Jahren im Beruf lohnt eine kritische Prüfung: Was keinen direkten Bezug zur Zielstelle hat und von neueren Stationen überlagert wird, kann gestrichen werden.

Wie lang muss ein Praktikum gewesen sein, damit es in den Lebenslauf kommt?

Vier Wochen aufwärts sind in der Regel nennenswert, wenn die Tätigkeit relevant war. Kürzere Orientierungspraktika aus der Schulzeit oder Schnupperphasen ohne echte Aufgaben gehören in der Regel nicht in den Lebenslauf.

Was schreibe ich, wenn mein Praktikum wenig Inhalt hatte?

Schreib was wirklich passiert ist, auch wenn es wenig war. 'Einblick in Abrechnungsprozesse, Mitarbeit bei zwei Kundenterminen' ist konkreter als 'Praktikum Buchhaltung'. Wer gar nichts Konkretes nennen kann und das Praktikum keinen Bezug zur Zielstelle hat, lässt es weg.