Karriere-Ratgeber
Praktikum im Lebenslauf: so beschreibst du es richtig
Dirk Walter
Gründer karriva, CRM und Direct Marketing
Ein Praktikum gehört in die Rubrik Berufserfahrung, chronologisch rückwärts sortiert, mit 2–4 konkreten Stichpunkten. Was dabei zählt: was du wirklich getan hast, nicht der Jobtitel des Unternehmens oder eine Aufgabenliste, die auf zehn andere Kandidaten genauso passen würde. Wer das richtig umsetzt, zeigt dem Recruiter, dass er seine eigene Erfahrung kennt und einordnen kann.
4:05Video zum Artikel
Berufseinsteiger haben mehr zu erzählen als sie denken
Wohin im Lebenslauf gehört ein Praktikum?
In denselben Abschnitt wie Vollzeitstellen: Berufserfahrung. Keine separate Rubrik “Praktika”, keine eigene Sektion zwischen Ausbildung und Studium. Ausnahme: wer sehr viele Stationen hat und eine klare Trennung zwischen Festanstellungen und Praktika die Lesbarkeit wirklich verbessert.
Das Format das in DACH-Bewerbungen funktioniert:
- Zeitraum: Monat/Jahr bis Monat/Jahr
- Unternehmensname und Ort
- Bezeichnung: “Praktikum Marketing”, “Praktikum Controlling” oder die offizielle Bezeichnung des Unternehmens, wenn sie aussagekräftig ist
- 2–4 Aufgaben als Stichpunkte
Die Sortierung ist antichronologisch: das neueste Praktikum steht oben, gemischt mit Werkstudentenjobs und anderen Stationen im selben Abschnitt.
Ab wann fallen Praktika aus dem Lebenslauf? Nach etwa drei Jahren Berufspraxis beginnen Praktika an Gewicht zu verlieren. Recruiter schauen dann primär auf das, was in späteren Stationen geleistet wurde. Nach fünf Jahren im Beruf lohnt eine kritische Prüfung: Praktika ohne direkten Bezug zur Zielstelle können gestrichen werden. Wer viele Berufsjahre vorweist und trotzdem noch Kurzpraktika aus dem Erststudium auflistet, verschenkt Platz auf einem Lebenslauf, der besser genutzt werden könnte.
Welche Praktika kommen rein, welche nicht?
Die Hauptfrage ist Relevanz: Passt die Tätigkeit inhaltlich zu dem, worauf du dich bewirbst? Wenn ja, kommt das Praktikum rein. Wenn nicht, hängt es daran, ob es eine zeitliche Lücke schließt oder das einzige Praktikum ist.
Dauer
Vier Wochen aufwärts sind in der Regel nennenswert, wenn die Tätigkeit relevant war. Kürzere Orientierungspraktika aus der Schulzeit oder Schnupperphasen ohne echte Aufgaben gehören nicht in den Lebenslauf einer studierenden oder berufstätigen Person.
Schulpraktika
Sobald du Praktika aus dem Studium hast, können Schulpraktika gestrichen werden. Sie haben selten Aussagekraft für eine Bewerberstelle und verdrängen relevantere Inhalte.
Bei mehreren Praktika
Nicht jedes muss aufgeführt sein. Vollständigkeit ist kein Ziel. Zwei bis drei gut beschriebene Einträge mit konkreten Aufgaben sind stärker als fünf aufgelistete Unternehmensnamen ohne Substanz.
Wie beschreibst du deine Aufgaben im Praktikum?
Die häufigsten Formulierungen in Praktikums-Einträgen:
- “Unterstützung des Teams bei verschiedenen Aufgaben”
- “Mitarbeit in Projekten”
- “Einblicke in den Bereich XY erhalten”
Das sagt einem Recruiter nichts. Es beschreibt eine Haltung, keine Tätigkeit. Was stattdessen funktioniert: konkrete Beschreibungen der Tätigkeit selbst.
Vorher / Nachher
Schwach: Unterstützung des Marketing-Teams bei der Erstellung von Social-Media-Inhalten
Stark: Erstellung und Terminierung von Social-Media-Beiträgen für Instagram und LinkedIn (2–3 pro Woche, mit Redaktionsplan)
Der Unterschied: Das zweite Bullet zeigt was konkret gemacht wurde, in welchem Umfang, und dass es eigenverantwortlich lief.
Konkret statt allgemein
Nicht “diverse Aufgaben” oder “verschiedene Bereiche”, sondern die Tätigkeit die am deutlichsten zeigt was du getan hast. Im Deutschen funktionieren Nominalisierungen gut: “Erstellung von...”, “Analyse der...”, “Koordination von...” sowie kurze beschreibende Phrasen ohne Füllwörter.
Umfang oder Ergebnis nennen
“Zehn Kundentermine koordiniert”, “Auswertung für fünf Märkte erstellt”. Wenn keine Zahl verfügbar ist, reicht die Beschreibung des Ergebnisses: “Präsentation für Führungskreis vorbereitet”.
Deine Leistung, nicht die des Teams
Jeder Bullet beschreibt was du persönlich gemacht hast, nicht was das Team insgesamt getan hat. “Ich” kommt im Lebenslauf nicht vor, aber der Fokus liegt auf dem eigenen Beitrag.
Was tun bei kurzen oder wenig relevanten Praktika?
Ein kurzes Praktikum, das relevante Einblicke gegeben hat, gehört mit dem Zeitraum auf den Lebenslauf. Recruiter wissen, dass Studium und längere Praxisphasen nicht immer kompatibel sind.
Wenn das Praktikum wenig Substanz hatte, schreib was wirklich passiert ist, auch wenn es wenig war. “Einblick in Redaktionsprozesse, Mitarbeit bei der Vorbereitung von zwei Ausgaben” ist ehrlicher und konkreter als “Praktikum Redaktion”. Wer gar nichts Konkretes benennen kann und das Praktikum keinen Bezug zur Zielstelle hat, lässt es weg.
Was du vermeiden solltest: mehrere kurze Praktika ohne Bezug zueinander als Block listen. Das wirkt unentschlossen. Besser: die relevanten einzeln beschreiben, die anderen weglassen.
Mehrere Praktika: Auswahl und Reihenfolge
Die Sortierung folgt demselben Prinzip wie für alle anderen Stationen: antichronologisch, neuestes zuerst.
Bei der Auswahl gilt: selektiv statt vollständig. Ein Praktikum aus dem zweiten Semester verliert an Relevanz, wenn du inzwischen bessere aus späteren Semestern hast. Das neuere und relevantere bleibt, das frühere fliegt.
Mehrere Praktika nicht in einem Eintrag bündeln: “Verschiedene Praktika im Bereich Marketing, 2023–2025”. Das signalisiert, dass du selbst nicht weißt was relevant ist. Jedes Praktikum bekommt seinen eigenen Eintrag, oder es kommt nicht drauf.
Mehr dazu, wie du das Gesamtprofil deiner Stationen positionierst, findest du in den Artikeln Berufseinsteiger haben mehr zu erzählen als sie denken und Anschreiben für Werkstudentenstellen: was wirklich zählt.
Lebenslauf-Optimierung, die zeigt was wirklich in deinen Stationen steckt.
karriva analysiert deinen Lebenslauf und schlägt für jede Station konkrete Formulierungen vor.

Dirk Walter
Gründer von karriva
Dirk Walter hat karriva gebaut, nachdem er selbst erlebt hat, wie schwer es ist, sich im Bewerbungsprozess klar zu positionieren. Er kommt aus dem CRM und Direct Marketing und überträgt diese Prinzipien auf die Jobsuche.
LinkedIn